Schulstatistik 2008/2009

Anmerkungen zur Schulstatistik Siebenbürgen 2008/2009

 

Die Daten für die Schulstatistik wurden vom Schulreferenten beim Landesforum, Andrei Kolobov, zusammengetragen gleichzeitig mit denen für die Schulstatistik für das ganze Land. In diesem Schuljahr wurden 88 Kindergärten, 46 Allgemeinschulen und 13 Lyzeen erfasst, in denen es deutschsprachige Gruppen/Klassen gibt.

 

1. Kindergärten

 

Im Vergleich zum Vorjahr erscheinen in der Statistik vier Kindergärten mehr. Weggefallen ist der private Kindergarten „Montessori“ in Hermannstadt (Sibiu), der Kindergarten in Sf.Gheorghe und der Kindergarten in Călan (letzterer in Ermangelung einer Kindergärtnerin) mit je einer Gruppe. Gruppen fielen auch aus in den Kindergärten Klausenburg (Cluj-Napoca) Nr.20 (2), Deva (1) und Sächsisch-Reen (Reghin) Nr.2 (1). Neu erfasst wurden die Kindergärten Săcele, Șinca Nouă, Tartlau (Prejmer) und der private Kindergarten „Calimero” in Hermannstadt mit je einer Gruppe, sowie die privaten Kindergärten „Strumfi” und „Heidi“ (mit je drei Gruppen) und „Berha“ (mit zwei Gruppen) in Kronstadt (Braşov). Dazu kamen auch Gruppen in den Kindergärten Hermannstadt Nr.8 (2), Neumarkt (Tîrgu Mureş) Nr.6 (1) und „Pinocchio“ Schässburg (Sighişoara) (1).

 

Es sind dadurch in diesem Schuljahr vier Kindergärten und 11 Gruppen mehr erfasst worden. Dadurch stieg die Gesamtzahl der in deutschsprachigen Gruppen erfassten Kinder trotz geburtenschwacher Jahrgänge weiter um 169 (von 3059 auf 3228). Das zeigt ein weiter bestehendes Interesse der Eltern am Erlernen der deutschen Sprache durch ihre Kinder.

 

Durch Änderungen in der Leitungsstruktur der Kindergärten, die besonders in den Städten zum Zusammenschluss mehrerer Kindergärten unter eine gemeinsame Leitung führten, hat sich das Verhältnis zwischen der Gruppenanzahl rumänischsprachiger und deutschsprachiger Gruppen geändert. Die Kinderanzahl pro Gruppe ist im Durchschnitt bei ungefähr 21 Kindern ungefähr gleich geblieben. Es gibt nur noch wenige Kindergärten mit zu vielen Kindern pro Gruppe. Die Entwicklung der letzten acht Jahre im Kindergartenbereich lässt sich aus der folgenden Tabelle ablesen. In den letzten fünf Jahren ist daraus ein leichter Anstieg der Kinderzahlen ersichtlich.

 

Schuljahr

Anzahl der Kindergärten

Anzahl der deutschsprachigen Gruppen

Anzahl der Kinder

2001-2002

86

128

2870

2002-2003

87

132

2902

2003-2004

86

128

2860

2004-2005

85

130

2917

2005-2006

86

134

2946

2006-2007

85

140

3002

2007-2008

84

143

3059

2008-2009

88

154

3228

 

2. Allgemeinschulen

 

In diesem Schuljahr wurden zwei Schulen neu erfasst: die konfessionelle katholische Schule Sankt Joseph in Karlsburg ist zwar als Privatschule nicht mit den anderen staatlichen deutschsprachigen Schulen zu vergleichen, bietet aber zu einem intensiven Deutschunterricht auch noch Musik und Religion in deutscher Sprache an. Die Schulabteilung in Șinca Nouă mit Simultanunterricht für acht Schüler der ersten und zweiten Klasse ist dort auf Initiative eines Unternehmers aus Deutschland eingerichtet worden.

 

Im Bereich der Allgemeinschule stieg die Schülerzahl in den Klassen I-IV im Vergleich zum Vorjahr weiter um 146 Schüler von 3194 auf 3340 an. Sie ist damit im Gegensatz zu den wegen der geringen Geburtenrate allgemein im rumänischen Schulwesen abnehmenden Schülerzahlen seit dem Schuljahr 2002-2003 um 426 Schüler (von 2914 auf 3340) gestiegen.

 

Nachdem die Schülerzahl der I. Klasse im Vorjahr um 186 Schüler (von 757 auf 943) gestiegen war – trotz Arbeitsmigration der Eltern schulpflichtiger Kinder (z.B. nach Spanien, Italien u.s.w.), die ihre Kinder wenn möglich mitnehmen und dort einschulen lassen – fiel sie in diesem Schuljahr wieder um 83 Schüler. In mehreren Schulen mit Simultanunterricht in den Klassen I-IV gibt es in diesem Schuljahr keine Kinder in der I. Klasse: Seiden, Alzen, Hermannstadt Nr.8, Broos, Nussbach und Nadesch. In Schellenberg gibt es jetzt wieder einige Kinder in der I. Klasse.

 

Die Schülerzahl der Klassen V-VIII stieg erfreulicherweise wieder um 133 (von 2567 auf 2700) nachdem sie in den Schuljahren 2001-2002 bis 2006-2007 um 584 Schüler zurückgegangen war. Der weiter zunehmenden Mangel an sprachlich und fachlich kompetenten Lehrkräften, die an den deutschsprachigen Abteilungen dieser Klassen deutschsprachigen Fachunterricht geben können, bleibt allerdings weiter bestehen!

 

Wie auch in den vergangenen Schuljahren fällt beim Vergleich der Schülerzahlen der beiden letzten Jahre auf, dass durch die Versetzung der Schüler von der IV. zur V. Klasse viele Schüler der deutschsprachigen Klassen verloren gehen.In diesem Schuljahr sind es 39. Von den 18 Schulen, in denen es nur die Klassen I-IV gibt (siehe Tabelle A ) sind 13 Schulen in Ortschaften gelegen, in denen es keine deutsche Gymnasialstufe (Klassen V-VIII) gibt, die Schüler also in einer anderen Ortschaft weiter zur Schule gehen müssten. Das sind im Ganzen 119 Schüler.

 

Es fällt auch auf, dass von den Schulen, in denen es nur die I.-IV. Klasse gibt, in zehn Schulen in diesen Klassen weniger als 10 Schüler sind, in weiteren drei Schulen weniger als 20 Schüler. Dass für eine so kleine Schülerzahl eine Lehrkraft staatlicherseits voll bezahlt wird soll hier festgehalten werden. Dasselbe geschieht auch für die Klassen V-VIII mit viel zu kleiner Schülerzahl. Aus Tabelle C ist ersichtlich, dass es in folgenden Schulen in den Klassen V-VIII weniger als 50 Schüler gibt, was den Fortbestand der Schulen sicher gefährdet: Elisabethstadt, Viktoriastadt, Mühlbach, Neumarkt, Agnetheln, Reps, Petersdorf.

 

Simultanunterricht in den Grundschulklassen gab es in 16 Schulen (Schellenberg und Șinca Nouă kamen in diesem Schuljahr dazu). Außer in Petersdorf und Elisabethstadt sind das alles Schulen in Ortschaften ohne deutschsprachigen Gynasialunterricht. In drei Fällen werden alle vier Klassenstufen simultan unterrichtet, in vier Fällen je drei Klassenstufen und in elf Fällen je zwei Klassenstufen (davon in Malmkrog und Elisabethstadt von zwei Lehrerinnen).

 

Diesen Simultanunterricht gibt es hauptsächlich in Dörfern. Er steht und fällt mit den dort noch vorhandenen deutschsprachigen Grundschullehrerinnen, die nicht nur rein geographisch das Verbreitungsgebiet der deutschen Sprache erweitern. Die Angaben der auf Deutsch unterrichteten Fächer (in den Klassen V-VIII) sind leider ungenau und sagen auch nichts über die sprachliche Qualität des Unterrichts aus. Die Anzahl der auf Deutsch unterrichteten Fächer (deutschsprachiger Fachunterricht, also ohne Deutsch als Muttersprache) schwankt in diesen Klassen sehr stark von Schule zu Schule (zwischen keinem und acht bis zwölf Fächern).

 

Besorgniserregend ist die Lage an den Schulen in Mühlbach (V.-VIII.Kl.-1 Fach auf Deutsch), Petersdorf (2,4,3,1), Agnetheln (1,2,2,1), Reps (2,3,3,2) und Viktoriastadt (0,0,0,-). In der letztgenannten Schule wird auf Deutsch in allen Klassen nur noch das Fach Deutsch als Muttersprache unterrichtet. Aber auch in Heltau, Rosenau oder Neumarkt und selbst in einigen Schulen in Hermannstadt (Schule 15: 2,3,3,4; Schule 16: 3,4,-,1) ist die Lage nicht viel besser. Es scheint gewagt, diese Schulen noch als deutschsprachige Schulen zu bezeichnen. Der schon seit Jahren anhaltende Mangel an deutschsprachigen Lehrkräften ist hier am deutlichsten nachzuweisen.

 

3. Lyzeen

 

Ab diesem Schuljahr gibt es die deutschsprachige Abteilung des Energetischen Lyzeums in Kronstadt nicht mehr, das die XII. Klasse inzwischen abgegangen ist. Neu aufgenommen in die diesjährige Statistik (obwohl es sie schon seit mehreren Jahren gibt) ist die Sankt-Josephs-Schule in Karlsburg (Alba Iulia), die wohl als Sonderfall zu betrachten ist, aber z.T mehr Fächer auf Deutsch anbietet als andere Schulen.

 

Mit Ausnahme des Energetischen Lyzeums Hermannstadt, in welchem es in diesem Schuljahr keine XI. Klasse gibt, der Sankt-Josephs-Schule in Karlsburg, die noch keine XII.Klasse hat und des Doamna Stanca-Lyzeums in Fogarasch (Făgăraş), in welchem in diesem Schuljahr keine IX.Klasse eingerichtet wurde, haben alle anderen 11 Lyzeen ganze Klassenzüge von der IX. bis zur XII. Klasse.

 

Während die Schülerzahl der Klassen IX-XII bis zum Schuljahr 2004-2005 auf 2296 angestiegen war, fiel sie in den letzten vier Schuljahren wieder (um 61 Schüler auf 2235 im Schuljahr 2005-2006, um 26 auf 2209 im Schuljahr 2006-2007, um 80 im Schuljahr 2007-2008 auf 2129 und um weitere 57 laufenden Schuljahr 2008-2009 auf 2072).

 

Von den 556 Absolventen der VIII. Klasse des Vorjahres fanden immerhin 511 Schüler Aufnahme in eine IX. Klasse. Die anderen 45 entsprachen wohl den Anforderungen nicht, oder wählten eine anderssprachige Schule. Da die Zahl der potentiellen Lyzealschüler (der Absolventen der VIII. Klassen) seit dem Schuljahr 2003-2004 von 770 um 138 auf 632 in diesem Schuljahr zurück ging, werden die Auswahlmöglichkeiten der Lyzeen für Schüler der IX. Klassen zusehends geringer, was sich auf die Schülerqualität auswirken wird.

 

Die Angaben der auf Deutsch unterrichteten Fächer (ohne das Fach Deutsch als Muttersprache) sind leider auch hier ungenau und sagen ebenso nichts über die sprachliche Qualität des Unterrichts aus. Sie schwanken zwischen zwei (Energetisches Lyzeum Hermannstadt) und elf Fächern pro Klasse und scheinen in den höheren Klassen weniger zu werden. Das Pädagogische Lyzeum in Hermannstadt ist durch seine vielen Methodik-Fächer, die z.T. auf Deutsch unterrichtet werden, eine Ausnahme. Auch in den Lyzeen macht sich der Mangel an auf Deutsch unterrichtenden Lehrkräften bemerkbar.

 

Hermannstadt, Februar 2009

Friedrich Philippi