2008 – 18. Sachsentreffen in Birthälm

Lebendige Gemeinschaft erlebt

Beim 18. Sachsentreffen in Birthälm notiert

 

Wieder in Birthälm. Das 18. Sachsentreffen fand am 20. September in der symbolträchtigen Ortschaft zwischen Mediasch und Schäßburg (Sighişoara) statt, nachdem es im Vorjahr erstmals anderswo, und zwar in der europäischen Kulturhauptstadt Hermannstadt (Sibiu), veranstaltet worden war. Der gelungenen Rückkehr in die bekannte Kulisse zogen Kälte und Regen einen Strich durch die Rechnung: Wegen des Schlechtwetters hatten viele sich gar nicht erst aufgemacht, der Großteil der rund tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer irrte in der Mittagspause bibbernd herum und einige fuhren bereits vor der Festrede und Verleihung der Honterus-Medaille wieder heim. Dennoch: Das diesjährige Treffen war eine rundum gute Veranstaltung.

 

Das „traditionsreiche Fest am vertrauten Ort“ – so D. Dr. Christoph Klein, der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien in seinem Wort – begann mit dem traditionellen Gottesdienst in der vollbesetzten Kirche. Begrüßt hat erneut Ortspfarrer Ulf Ziegler alle Teilnehmer und um deren Wohl sorgten sich im Verlauf des Tages die an ihren grünen Schildchen erkennbaren Mitglieder des Kirchenrats aus Birthälm und der Jugendgruppe aus Mediasch. Der Mediascher Kirchenchor gestaltete den Gottesdienst musikalisch, dessen Predigt Reinhart Guib, der Bischofsvikar und Dechant des Mediascher Bezirkes hielt.

 

„Lebendige Gemeinschaft“ lautete das Motto des diesjährigen Treffens. Ein dankbares und facettenreiches Thema, das denn auch von allen Redner aufgegriffen und in nüchtern-realistischen sowie idealisierenden Tönen behandelt wurde. Auch das ein Beweis einer lebendigen Gemeinschaft. „Einsamkeit und Alleinsein kennen wir nur zu gut … Zusammensein ist schön, zusammen gelingt vieles“, sagte Bischofsvikar Guib in der Predigt. Er bat die große Fest-Gemeinschaft, diejenigen nicht zu vergessen, die ihre Hilfe benötigen. Auch wies er darauf hin, dass sich der Horizont der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft in den vergangenen Jahren geweitet hat und sie auch Andersnationale und Anderskonfesionelle umfasst.

 

Einer ernüchternden Analyse unterzog der diesjährige Festredner Dr. Karl Scheerer, der Vorsitzende des Schäßburger Forums, die „lebendige Gemeinschaft“ und schlug auch mögliche Schritte vor, um sie in Lebendigkeit erhalten zu können. Den vollen Wortlaut der Rede drucken wir in den nächsten Ausgaben der ADZ ab.

 

An das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl der Siebenbürger Sachsen und dass sie als geschlossene Gemeinschaft in ihrer über 850-jährige Geschichte gelebt haben, erinnerte Dr. Paul-Jürgen Porr, der Vorsitzende des Siebenbürgenforums. Als ein Beweis hierfür überreichte er dem Bistritzer Pfarrer Hans Dieter Krauss einen Scheck über 350.000 Lei, die auf den Spendenaufruf des Siebenbürgenforums für den brandgeschädigten Kirchturm zusammengekommen waren. In der Moderation von Dr. Porr sprachen nach dem Gottesdienst der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganţ, der deutsche Gesandte Holger Scherf, Dr. Wolfgang Bonferth, der Ehrenvorsitzende der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, und Dr. Klaus Fabritius als Repräsentant der anderen Regionalforen, Grußworte.

 

Der Siebenbürgenforums-Vorsitzende moderierte desgleichen die Festveranstaltung im Gemeindesaal, in deren Rahmen D. Dr. Christoph Klein die Honterus-Medaille überreicht wurde. In der Laudation ging Dr. Hans Klein, der Vorsitzende des Hermannstädter Forums und Dekan der Theologischen Fakultät, auf die Beziehungen zwischen Politik und Kirche ein. Der Beschluss, den Bischof von Seiten der politischen Repräsentanz der Siebenbürger Sachsen zu würdigen sei gefasst worden, um zu markieren, dass sich die Wege zwischen Kirche und Forum „schrittweise aber sehr kenntlich und deutlich angenähert haben“ nach der Zeit im Kommunismus, als es eine Trennung zwischen kirchlicher und politischer Vertretung gegeben hat, sagte Dr. Klein. Auf diese Weise sollen die Kräfte gebündelt werden für den gemeinsamen Weg, der in die Zukunft gehen kann.

 

Dass diese Zukunft etwas anders aussehen wird als man es aus der Vergangenheit gewohnt ist, war an den Folklore-Darbietungen festzustellen: „Un, doi, trei, şi …“ gab Ernst Fleps den Mitgliedern der Burzenländer Blaskapelle den Einsatz, ebenso der Dirigent der Bistritzer Kapelle und auch die Umgangssprache der in schmucke Trachten gekleideten Tänzerinnen und Tänzer war Rumänisch. Aus Bistritz, Sächsisch-Regen (Reghin), Neumarkt (Tg. Mureş), Schäßburg und Hermannstadt – und von da sowohl jene des Jugendforums als auch jene der Brukenthalschule – waren sie angereist, zogen ihre Trachten an, nahmen am Aufmarsch teil, zeigten einen Tanz und fuhren wieder heim. Für das von der ADJ angebotene Workshop mit anschließender Party hatte sich niemand angemeldet.

 

Erlebt wurde Gemeinschaft nach dem Gottesdienst beim Anstehen um „mici“ und Bier oder echten Szekler Baumstriezel und einige Grüppchen zogen sich in die Birthälmer Wirtshäuser zurück. Die einzige Nobelgaststätte war für die Ehregäste reserviert und im Festzelt war es zu kalt zum Verweilen. Zum Sachsentreffen in das rot-blau beflaggte Birthälm gekommen waren heuer viele in Randgebieten bzw. außerhalb der sächsischen Gemeinschaft in Rumänien lebende Sachsen, aber auch Besucher aus Deutschland und auch die Forums-Aktivisten aus ganz Siebenbürgen zeigten Anwesenheit. Zahlreiche Bekannte konnte man also vor den Ständen der Handarbeitskreise und der Buchverkaufsstelle des Erasmus-Büchercafés sprechen. Es wurde eine lebendige Gemeinschaft erlebt.

 

Von Hannelore Baier, erschienen am 22.9.2008 in der Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien